Das Ökohaus - Entwicklung

Vom Gewächshaus zum Niedrigenergiehaus

Eine der Arbeitsgemeinschaften nach dem Startschuss zur Wöhlerwildnis war eine "Öko-AG", die sich schwerpunktmäßig mit Energiefragen befasste, von der Solarenergie bis zum Treibhauseffekt. Allerdings wollten auch die Schüler in dieser Gruppe nicht nur graue Theorie studieren, sondern praktisch tätig werden. Deshalb entstand am Anfang, im Jahre 1989, der Plan, ein computergesteuertes Null-Energie-Gewächshaus zu planen und zu bauen. Der Plan war bald fertig, auch ein Modell wurde angefertigt, aber andere Fragen blieben offen, vor allem die Finanzierung, die spätere Verwendung und die Betreuung.

Nach einer kurzen Frustphase fanden die Schüler dann ein neues Projekt, gleich zwei Nummern größer: Auf dem Pausenhof steht eine baufällige Holzbaracke, kaum noch renovierungsfähig und irgendwann dem Abriß preisgegeben. Hier könnte man doch als Ersatz ein Niedrigenergiehaus nach den neuesten Erkenntnissen hinstellen!

Die Planung

'Nach dem Studium der aktuellen Literatur wurden erste Pläne angefertigt. Mit diesen Plänen fuhren die Schüler zu Experten nach Freiburg, Darmstadt, Koblenz und anderswo. Deren Verbesserungsvorschläge wurden eingebaut. Die Planung sah jetzt konkret und vielversprechend aus, die Begeisterung der Schülergruppe und ihre Zähigkeit steckte Erwachsene an. Es wurde ein Arbeitskreis Ökohaus ins Leben gerufen, in dem die AG, die Schulleitung, der Förderverein, die Leitung der Wöhlerwildnis vertreten waren. Als besonders wichtig darin erwiesen sich Experten aus der Elternschaft, vom Statiker über den Juristen bis zum Werbefachmann.

Schritte zur Realisierung

Als wichtigste Frage stand für den Arbeitskreis die Frage nach den Mitteln im Raum. Erste halbwegs konkrete Schätzungen zeigten, dass auf jeden Fall mehr als eine halbe Million Mark zusammenkommen müßten. Die Stadt Frankfurt konnte angesichts leerer Kassen nicht einspringen. Deshalb waren die ersten Aktivitäten mit Sponsorensuche verbunden und durchaus erfolgreich. Der WWF konnte als Befürworter des Projekts gewonnen werden. Schließlich konnte aber für die Finanzierung des größten Betrags die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gewonnen werden.
Als sich Realisierungsmöglichkeiten abzeichneten, wurden auch die Verhandlungen mit der Stadt konkreter und fruchtbarer. Das Hochbauamt übernahm alle mit dem Bauantrag verbundenen Arbeiten, das Energiereferat war jetzt ständiger sachverständiger Gast bei den Sitzungen der AG, das Stadtschulamt arbeitete mit an der Lösung anstehender juristischer Probleme.

Nutzung des Ökohauses

Das von der Schülergruppe und dem Arbeitskreis Ökohaus erarbeitete Konzept sieht eine Nutzung vor allem in dreifacher Hinsicht vor:

Als Unterrichtsraum für ökologische Unterrichtseinheiten in allen Fächern. Dazu werden Meßgeräte, Literatur und sonstige Materialien vorhanden sein. Die Schule ist schon bisher ganz gut versorgt mit entsprechender Ausstattung, aber diese verteilt sich auf die Sammlungen in Physik, Biologie, Chemie, Geographie usw. Einen Ökologieraum mit Zugriff für alle haben wir noch nicht. Auch die Bauweise und die damit vorhandenen Experimentiermöglichkeiten (z.B. über die Wärmedämmung verschiedener Baumaterialien) bietet sich für entsprechende Unterrichtseinheiten an.
Als Verkaufs- und Informationsraum für unseren umweltfreundlichen und gesunden Pausenverkauf. Seit mehr als zehn Jahren organisieren bei uns Schüler den Pausenverkauf, weitgehend nach ökologischen und gesundheitlichen Gesichtspunkten. Der Erlös fließt in unsere Projektkassen. Nach dem Abriß der Baracke würde dafür ein Raum fehlen; der neue Raum soll sich natürlich im Ökohaus noch umweltfreundlicher präsentieren, von der Nutzung von Solarenergie für warmes Wasser bis zur Verwendung von energiesparenden Geräten und Lampen.
Als Ökostation im Stadtteil: Das Haus soll Anlaufstation werden für Anwohner, Vereine, Schulen des Stadtteils und andere Interessierte, die sich über Aspekte von ökologischem Bauen informieren möchten. Es sollen auch regelmäßig Vorträge zu umweltrelevanten Themen stattfinden, vom biologischen Gärtnern bis zur Abfallentsorgung.
Aspekte der Umweltbildung
Einige Ziele, die in Verbindung mit schulischer Umweltbildung immer genannt werden, konnten schon in der Planungsphase erreicht werden, andere werden sich mit der Nutzung ergeben:

Projektorientiertes Lernen

Planung und Bau sind natürlich bereits Beispiele dafür. Die Nutzung wird diesen Aspekt noch mehr in den Schulalltag tragen. Die Einrichtung, die vorhandenen Materialien und Geräte werden es Lehrern erleichtern, mit ihren Klassen kleinere und größere ökologische Projekte durchzuführen. Natürlich wird auch fächerübergreifendes Arbeiten erleichtert.

Handlungsorientierung

Über den eigentlichen Bereich des Planens und Bauens hinaus soll dafür an einem Beispiel gezeigt werden, dass es die Schüler konkret etwas zum Thema Energiesparen tun wollen, So untersuchten sie in der Phase, in der sie wegen der langsamen Schritte des Amtsschimmels arbeitslos waren, die derzeitige Technik der Heizungsanlage und das derzeitige Nutzerverhalten von Schülern und Lehrern. Aus den Erkenntnissen erarbeiteten und veröffentlichten sie Verbesserungsvorschläge.

Partizipation

Schon die Idee, das Haus zu bauen, war eine Schüleridee, in allen Planungsphasen bestimmten die Schüler mit. Keine Entscheidung wurde gegen die Schüler getroffen. Voraussetzung war allerdings, dass diese sich fachlich einarbeiteten. Bei allen Expertengesprächen waren die Schüler dabei, ebenso bei den Verhandlungen mit Ämtern, Firmen und anderen Institutionen. Die Partizipation wird ein unverzichtbares Prinzip auch bei der Nutzung des Ökohauses sein. Die Schüler werden die speziellen Veranstaltungen, z.B. Informationsveranstaltungen für die Schulgemeinde oder die Anwohner, mitplanen und mitgestalten.

Öffnung von Schule - Community Education

Eine Öffnung fand schon in der Planungsphase in beiden Richtungen statt: Die Schule öffnete sich für Experten, Ämter und Firmen. Die Schüler nahmen deren Ratschläge auf und verarbeiteten sie. Als die Schüler zunehmend selbst Experten wurden, konnten sie und die Lehrer selbst bei anderen Vorhaben beraten. Dies geschah bei Besuchen von Schüler-Lehrer-Gruppen an unserer Schule, bei Fortbildungsveranstaltungen und bei konkreten anderen Projekten. Vor allem Community Education wird bei der Nutzung des Ökohauses im Vordergrund stehen. An der Schule gibt es bereits eine gewisse Tradition bei der Arbeit im Stadtteil; schon seit einigen Jahren kompostieren Schüler Gartenabfälle der Anwohner oder verkaufen unter dem Motto "Torf gehört ins Moor" Rindenmulch. Das Ökohaus wird uns aber der Vision "Die Wöhlerschule als Ökostation im Stadtteil" noch ein Stück weiterbringen, wie aus dem Nutzungskonzept ersichtlich ist. So werden nach Absprache mit den Stadtwerken Geräte zum Messen des Stromverbrauchs von Haushaltsgeräten für die Bewohner des Stadtteils zur Verfügung gestellt.

Stand im April 1999

Die Baracke wurde im Juli 1997 abgerissen, Baubeginn für das Ökohaus war Februar 1998. Das Haus ist weitgehend fertiggestellt. Die Cafeteria ist in Betrieb; der Ökologie- Lehr- und Lernraum wird nach den Osterferien in Betrieb genommen.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 18. Juli 2009 um 21:00 Uhr

 

Umweltschule

 

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