Ein Bericht

Vom 22.06. bis zum 24.06.2026 fand die Projektfahrt einer Gruppe der Q2 nach Weimar statt. Einige Lernende hatten hier die Möglichkeit, in der geschichts- und kulturträchtigen Stadt Weimar, unter der Leitung von Herr Grohall, eine Klimakonferenz der anderen Art abzuhalten. Passend zu dem Vorhaben, lag gerade eine Hitzewelle über Deutschland und in ganz Europa wurden Rekordtemperaturen gemessen.

Auch als wir aus dem ICE in Weimar ausstiegen, empfing uns die Hitze. Nach einem Rundgang durch die Stadt, machten wir uns schon am ersten Tag daran, Goethes Texte zur Metamorphose der Pflanzen zu diskutieren, um sein Verständnis der Natur besser zu verstehen.

Wir hatten außerdem die Möglichkeit, das Konzentrationslager Buchenwald zu besichtigen. Hier bot sich der Widerspruch zwischen der Kulturstadt Weimar und dem direkt neben der Stadt gelegenen Leid, das seinerzeit ignoriert wurde.

Die Stadt durchliefen wir auch auf den Spuren Goethes, besuchten Ausstellungen, sein Wohnhaus und sein Gartenhaus. Auch hier fiel Goethes Liebe zur Natur- und Pflanzenwelt auf – um seine Wohnstätten befinden sich wunderschöne Gärten mit verschiedenen Blumen, alten Bäumen und versteckten Plätzen inmitten bunter Sträucher.

Und wir hatten die Gelegenheit, in kleiner Runde mit dem Literaturwissenschaftler Hannes Höfer zu sprechen, und ihm alle unsere Fragen rund um Goethes Werk zu stellen. Klare Antworten auf die Fragen zur Klimakrise liefern Goethes Werke zwar nicht, doch die Betrachtung und seine Einstellung zur Natur sind zeitlos und können uns auch heute, knapp 250 Jahre später, helfen, einen anderen Umgang mit unserer Umwelt zu erlangen.

So zeigt Goethe in der Figur Faust beispielsweise den Besitzanspruch, der dem Menschen, wenn es um die Natur geht, oft innewohnt. Faust hält es am Ende von Teil II nicht aus, dass die Linden auf seinem Grundstück nicht ihm gehören, und möchte sie daher beseitigen.

Auffallend ist darüber hinaus besonders Goethes Aufruf zur genauen Betrachtung der Natur. Er meint, wenn man nur eine Pflanze genau betrachte, verstehe man in dessen Lebenszyklus gleichzeitig den der gesamten Natur.

Natürlich ist das nicht so simpel abgetan, aber der Versuch einer neuen Wertschätzung könnte dazu führen, dass man den Wert der Natur als ebenbürtig anerkennt und nicht Nutzen und Ausbeutung vorzieht.

Und was Goethe kann, kann jeder: Sich mit dem eigenen Verständnis von der Natur auseinandersetzen. Die Hitze ist schon ein lauter Hilfeschrei, dafür braucht es auch keine scharfe Beobachtungsgabe.

Ingrid Barten

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