Diskutierten mit der Q2 Goethes Faust: Marc Grohall, Emilia Steinberger, Stefan Matuschek, Ayla Doganlar, Hannes Höfer und Martin Müllner (v.l.n.r.)

120 Schülerinnen und Schüler der Wöhlerschule haben am Dienstag, den 17. März mit Literaturexperten über Goethes Faust und der Literatur um 1800 diskutiert. Prof. Dr. Stefan Matuschek aus Jena und Dr. Hannes Höfer aus Weimar zeigten, wie relevant und bedeutsam noch heute, knapp 250 Jahre später, die Ideen und Themen aus Goethes bekanntestem Werk sind. Moderiert wurde die Diskussion von den Schülerinnen Emilia Steinberger und Ayla Doganlar sowie Wöhler-Lehrer Marc Grohall.

Nach einer kurzen Einführung berichtete Prof. Matuschek über die deutsche Literatur um 1800. Sie war geprägt von den Epochen Aufklärung und Romantik. Es entwickelte sich erstmals eine deutsche Literaturkultur und Goethes Faust war das zentrale Werk dieser Zeit. Seine neuartige Komposition sprach viele Menschen an und seine Groteske machte es weltberühmt.

Dr. Höfer sprach über das bürgerliche Theater um1800. Das war zu dieser Zeit längst keine Freizeitveranstaltung für den Adel mehr, sondern behandelte viele Themen des Bürgertums. Statt Göttern spielten bürgerliche Figuren eine immer größere Rolle, so wie auch in der Gretchentragödie im Faust.

Nach der Beantwortung von Fragen aus dem Publikum ging es zum Abschluss darum, ob Faust ein Mensch von heute sei. Von Seiten der Schülerinnen und Schüler sowie den Experten wurden verschiedene Aspekte benannt. Faust zeige vor allem eindrücklich, wie der Mensch hin und her gerissen sei zwischen dem rationalen Wissen und der Suche nach Erfüllung im Sinnlichen. Faust befinde sich auf der Sinnsuche und sei nicht als Figur, sondern eher als Symbol zu sehen, ein Symbol für die Menschheit; hin und her gerissen, suchend und strebend nach der Erfüllung seiner selbst. Prof. Dr. Matuschek brachte das am Ende auf den Punkt. Goethe zeige durch Faust den heutigen Menschen in einer Weise, die trefflicher nicht sein könnte: Der Mensch sieht oft nicht das, was er besitzt, sondern sehnt sich nach dem, was ihm fehlt. Und in diesem Zitat findet sich wohl jeder von uns irgendwie wieder.

Wer noch mehr zum Drama Faust und zur Literatur seiner Zeit wissen will, schaue in das gerade bei Reclam erschienene Buch von Marc Grohall, Hannes Höfer und Stefan Matuschek mit dem Titel Literatur um 1800.

Ingrid Barten

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