An die Wand mit den Gedanken

„Ich wünsche mir, dass Schule in nächster Zeit mehr Verständnis für uns hat“

Beim Projekt LAUTE WAND schreiben Wöhlerschülerinnen und Wöhlerschüler jetzt auf, wie es ihnen geht und was sie nach der Rückkehr zum Präsenzunterricht beschäftigt.

Endlich sind alle da und die Schule kann wieder zu dem Ort werden, der er vor Mitte Dezember 2020 war.

Viele Schülerinnen und Schüler, viele Lehrerinnen und Lehrer haben sehnlichst darauf gewartet, sich wieder live und ohne technische Tonstörung zu begegnen. Bei aller Erleichterung und Wiedersehensfreude schwingt aber mit, dass das, was in der zurückliegenden Zeit passiert oder vielmehr nicht passiert ist, Spuren hinterlassen hat. Bei manchen mehr, bei anderen weniger. Eine Meinung dazu haben sicher alle und genau die zählt.

Worte und Zeichnungen machen sichtbar, was die Schulgemeinde jetzt beschäftigt

„An die Wand mit den Gedanken“ sagen die Initiatoren, Verbindungslehrer Max Kwasny und Kunstlehrer John-Luke Ingleson. Beide möchten gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen Kindern, Jugendlichen und dem Kollegium – auch wenn das Thema Corona in den Klassen und im Unterricht behandelt wird – eine Stimme geben. Deswegen ist jetzt das Projekt LAUTE WAND im Foyer vor dem Lehrerzimmer gestartet. Ein sensibles Anliegen, das zeigt, dass alle in der Schulgemeinde mit ihren Bedürfnissen und Anliegen ernst genommen werden. Falsch gibts nicht. Und richtig auch nicht. Alle sind aufgefordert, Wünsche, Erwartungen aber auch Ängste aufzuschreiben, die im Zusammenhang mit dem Wiedereinstieg in den ‚echten‘ Schulbetrieb stehen. Format: DIN A4-Blatt. Dazu animieren stichwortgebende Aussagen wie „“Ich freu mich auf…“, „ich fürchte mich vor…“ „Schule soll in nächster Zeit…“. Sie sollen den Einstieg erleichtern, schon nach wenigen Tagen sind die Wände voll. „Ich fürchte mich vor dem Alltag in der Schule“ hängt nicht weit entfernt von „ich hoffe, dass die Klassenfahren nachgeholt werden“ und „ich wünsche mir wieder eine Normalität wie vor Corona“.

 

 

 

 

 

 

 

Schule als Ort der Kommunikation

Sich äußern, andere an dem teilhaben lassen, was einen umtreibt, eigentlich normal für den Alltag in der Schule. Eigentlich. Denn in der Corona-Zeit haben besonders Kinder und Jugendliche unter dem fehlenden regelmäßigen Kontakt gelitten, der sonst ihr Schulleben ausmacht. Deswegen ist es so wichtig, dass sie sich, ohne sich zu schämen, weil anonym, mitteilen können. Es fällt vielleicht erstmal leichter, sich auf diesem Weg auszudrücken. Und es kann erleichtern, wenn man liest, wie es anderen in der Schule geht. „Ich fürchte mich, dass meiner Familie etwas passieren könnte“, „Ich wünsche mir, dass ich wieder normal Fußball spielen kann“. Auch Bilder und Zeichnungen verdeutlichen, was im Hirn rumschwirrt. Aus einem gemalten Kopf steigt empor, was auf Jugendliche in der Corona-Zeit alles einprasselt, samt dem Wirrwarr, der dabei entstehen kann. Auf einem anderen Blatt umarmen sich zwei Strichmännchen, Lachgesichter schauen zu, „Umarmungen“ steht schwungvoll drunter. „Ich fürchte mich vor der Arbeitsphase“ steht auf einem Zettel, auf anderen „Ich fürchte mich davor, dass Corona nicht besser wird und wir immer eingeschränkt bleiben“ und „Schule soll in nächster Zeit weniger stressig werden“. Ganz oft ist zu lesen, dass die Freude darüber groß ist, endlich wieder etwas mit Freunden machen zu können.